Liselotte von der Pfalz
- eine Wittelsbacherin am Hof des Sonnenkönigs Ludwig XIV.

13.02.2008 - Pfarrer Richard Hackländer hatte in seiner Begrüßung nicht zuviel versprochen. Ingrid Haker spielte in einem inszenierten Vortrag in der Protestantischen Kirche „Liselote von der Pfalz“ mehr als meisterhaft.
Ingrid Haker ist, was das Schauspielerische angeht eine Autodidaktin. Sie recherchiert selbst die Geschichten ihrer handelnden Personen und findet sich so direkt in deren Leben ein, wird zu diesen.

Sechs Kapitel - Ingrid Haker nennt sie Blüten - stellen das Leben von Elisabeth Charlotte von der Hochzeit mit 19 Jahren bis in ihr Alter dar.

Dazu hat Ingrid Haker ein einfaches Bühnebild aufgebaut: zwei Stühle, ein Tisch mit einem angedeuteten Fenster im Hintergrund. Dieses Bild steht vor dem Altar und zwischen zwei Blüten wechselt sie hinter dem Altar die Seiten. Der linke Stuhl ist der Erzählerin Ingrid Haker vorbehalten, der rechte "Liselotte von der Pfalz". Mit wenigen Kleidungstücken passt sich die Schauspielerin der jeweiligen Blüte an. Ihre Stimme, Mimik und Körperhaltung fesseln die Zuschauer derart, dass ein Mehr an Maske nicht notwendig ist. Sie freuen sich mit Lieselotte und teilen ihren Schmerz.

Ingrid Haker wechselt in der Darstellung zwischen Erzählungen Liselottes, die sie oft von der Bühne herunter und unter die Zuschauer treiben, und dem Verlesen von Briefen, die sich ihre geliebte Tante Sophie, Herzogin von Hannover, und sie schreiben.

Zum Schluss war die Ergriffenheit unter den Zuschauern so groß, dass es einige Herzschläge dauerte, bis der Schlussapplaus aufbrandete. Ingrid Haker – eine großartige Darstellerin!

Sechs Blüten öffnen sich
(Texte von Ingrid Haker)

1. Blüte: Kälte

Liselotte ist 57 Jahre alt.

Im strengen Winter 1708/09 fällt die Temperatur in Paris auf minus 26 Grad Celsius. Die Wintersaat wird vernichtet und im Sommer gibt es nichts zu ernten. Beim anschließenden Hochwasser steigt der Pegel der Seine auf knapp neun Meter. 80 Jahre später beginnt die französische Revolution. Nach dem Winter 1709, der auch Deutschland getroffen hat, verlassen mehr als 10 000 Pfälzerinnen und Pfälzer ihre Heimat wegen des Hungers und wegen religiöser Unterdrückung. Sie bauen sich in Nordamerika eine neue Existenz auf.

2. Blüte: Ehe

Liselotte ist 19 Jahre alt als sie heiratet.

Ihr Vater, Kurfürst Karl l. Ludwig von der Pfalz, verheiratet mit Charlotte von Hessen-Kassel, will, dass Elisabeth den verwitweten Herzog Philip l. von Orleans ("Monsieur") heiratet, den jüngeren Bruder Ludwig XIV. Dazu muss sie 1671 vom reformierten zum katholischen Glaubensbekenntnis übertreten. Sie betrachtet es als reine Formsache. "Monsieur" und "Madame" werden zusammen drei Kinder haben. Ihr Sohn Philipp wird, nach dem Tod des Sonnenkönigs 1715, für 7 Jahre Regent über das Königreich, da der zukünftige Louis XV. erst 5 Jahre alt ist.

3. Blüte: Zehn heitere Jahre

Liselotte ist zwischen 20 und 30 Jahre alt.

Sie liebt das Schreiben, die Jagd, das Theater, die Oper. Mit ihrem Schwager, dem König, teilt sie diese Interessen und wie er sammelt sie Münzen. Ihre frische Art, am liebsten unverschnörkelt und im Jagdkostüm, offenherzig und voller Energie, schafft ihr Sympathien beim König und am Hofe. Trotzdem hat sie Heimweh und schreibt viel an ihre Tante Sophie in Hannover.

4. Blüte: Vom Opfer zur Täterin

Elisabeth Charlotte spottet über ihren homosexuellen Mann und ärgert sich über dessen Exzesse und Verschwendungssucht. Sie hält nicht viel von ihm und von der Ehe auch nicht. Sie ist umgeben von Intriganten. Über die Liaison des Sonnenkönigs mit Madame de Maintenon ist sie erbost und nennt sie die "alte Zott". Sie verliert das Wohlwollen des Königs.

5. Blüte: Krieg

Liselotte ist etwa Mitte 30.

1685 stirbt Liselottes Bruder in Heidelberg und die Wittelsbacher Erblinie Simmern erlischt. Ludwig XIV. erhebt - entgegen dem Erbschaftsvertrag - Anspruch auf die Kurpfalz, so dass es 1688 zum pfälzischen Erbfolgekrieg kommt. Es ist nicht Elisabeth Charlottes Wille, geschieht aber- trotz ihres Widerspruchs - in ihrem Namen. Der Krieg dauert fast 10 Jahre - bis 1697 - und zerstört ihre Heimat.

6. Blüte: Kokon

Liselotte ist 49 Jahre alt
, als 1701 ihr Mann stirbt. Ihre alte Heimat, die Pfalz, ist zerstört. Sie konnte es nicht verhindern. Der Sonnenkönig hat sich abgewendet. Er stirbt 1715, als sie 63 Jahre alt ist. Elisabeth zieht sich auf ihr Schreiben zurück. Da ihr Sohn Philipp jetzt Regent ist, ist sie als dessen Mutter die zweite Frau im Staat. Sie mischt sich politisch nicht ein, weil sie der Meinung ist, das Regieren sei Männersache. Wegen der Beschränkungen, die einer Frau auferlegt sind, war sie schon in jungen Jahren nicht gerne eine Frau. "Ich wäre so gerne ein Junge gewesen, dass es mich bald das Leben gekostet hätte", so schreibt 1708 die 57Jährige. Für sie ist es Pech, als Frau geboren worden zu sein. So verlegt sie sich vollends auf das Schreiben und treibt leidenschaftlich gerne Forschungen mit ihrem Mikroskop, sie sammelt Gemmen (geschnittene Edel- und Siegelsteine), Petschaften und alte Münzen. Sie begeistert sich für Heilkunde, Mathematik und Astronomie.



Sie wird 70 Jahre alt.
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