Totensonntag in Essingen
Es wächst die Schar der Toten, die wir lieben,
Mit denen Sehnsucht wir und Freude teilten.
Wer rief sie fort, dass sie so willig eilten?
Und welch Gesetz ist ihnen vorgeschrieben?

So einsam werden wir im Weitergehen
Und hart, und Bitterkeit will uns beschleichen,
dass wir im eignen Schmerze nicht mehr sehen,
Wie treue Tote uns die Hände reichen.

Sie rufen uns und bitten ganz im stillen,
daß wir sie nicht durch Klagen von uns stoßen.
Sie stehn nur höher am Gerüst, den großen,
Erhabnen Dom des Lebens zu erfüllen,
Zu dem wir aufwärts ihnen Steine heben,
Wissend: der Tod ist Stufe nur im Leben.

Stud. Theol. Günter Schneider
mit 21 Jahren gefallen in Rußland


Vorgetragen zum Totensonntag 2008 von Hartmut Doppler
Am Ehrenmal des Friedhofs in Essingen gedachten Bürgermeister Hartmut Doppler sowie Vertreter Essinger Vereine und Bürgerinnen und Bürger Essingens der Toten aus den beiden Weltkriegen.

Viele sind jung gefallen, hatten nie die Chance ihr Leben zu erforschen und zu begreifen, was es bedeutet. Eltern, die ihre Kinder verloren hatten, vor den Trümmern ihrer Existenz stehend, verzweifelten an der Sinnlosigkeit eines solchen Lebens. Wir sollten an diese Beispiele denken, so der Ortsbürgermeister, um zu verstehen, dass nie wieder Krieg sein sollte.

Hartmut Doppler gedachte auch der Toten, die in Essingen in den letzten Jahren gestorben sind. Es seien unsere Eltern, Großeltern, die gestorben sind, und uns mit ihrem Leben das eigene geebnet haben. Dieses sollten wir nicht vergessen und uns nicht nur an einem Tag im Jahr daran erinnern.

Anschließend legte er für die Gemeinde Essingen einen Kranz zum Gedenken nieder. Unten sehen Sie die Namen der Toten, derer die Gemeine Essingen stellvertretend für alle Anderen gedachte.
Hermann Frech 1898 -1918 20 Jahre alt
Gustav Volz 1898-1918 20 Jahre alt
Otto Jäger 1923-1942 19 Jahre alt
Robert Winkelmann 1925-1944 19 Jahre alt
Erwin Doppler 1914 -1968 54 Jahre
Theo Wambsganß 1947-1983 36 Jahre
Otto Bierle 1950-1985 35 Jahre
Hans Jahns 1953-1995 42 Jahre
Beim Aufgang der Sonne
und bei ihrem Untergang
erinnern wir uns an sie

Beim Wehen des Windes
und in der Kälte des Winters
erinnern wir uns an sie

Beim Öffnen der Knospen
und in der Wärme des Sommers-
erinnern wir uns an sie

Beim Rauschen der Blätter
und in der Schönheit des Herbstes
erinnern wir uns an sie

Zu Beginn des Jahres
und wenn es zu Ende geht,
erinnern wir uns an sie

Wenn wir müde sind
und Kraft brauchen,
erinnern wir uns an sie

Wenn wir verloren sind
und krank in unserem Herzen,
erinnern wir uns an sie

Wenn wir Freude erleben,
die wir so gern teilen würden,
erinnern wir uns an sie

So lange wir leben
werden sie auch leben,
denn sie sind nun ein Teil von uns,
wenn wir uns an sie erinnern.

Aus "Tore des Gebets"
Totengedenken des ABV

Auch Susanne Volz, als Vorsitzende des ABV Essingen, gedachte an diesem Tag der Toten des Vereins:

Heute, im 111. Jahr des Bestehens des Arbeiter Bildungsvereins Essingen, möchten auch wir der Menschen gedenken, die uns im Vereinsleben begleitet haben und nun nicht mehr unter uns weilen.

Wir tun dies in dem Bewusstsein und unter dem Aspekt des Dankes und der Anerkennung von Leistungen und Mitwirkung in den jeweiligen Abschnitten einer 111-jährigen Vereinsgeschichte. Wir denken an die Menschen, die bereit waren, sich im Rahmen ihrer individuellen Fähigkeiten und Möglichkeiten kulturell und sozial zu engagieren. Unseren Verein mit Leben zu erfüllen, sich einander zugehörig zu fühlen und miteinander einem Ziel entgegenzuwirken.

Die Namen, die ich hier verlese sind stellvertretend für alle anderen. Gründungsmitglieder Scheidt, August und Schrywers Peter

Ausschussmitglieder in verschiedenen Funktionen:
Thomas Rudi, Berger Friedrich, Fischer Klaus, Freitag Emil und Maria, Kleiner Georg, Müller Karl-Heinz, Rebholz Erich.

Es sind noch viele mehr, die wir vermissen, deren Kinder und Enkelkinder aber bis heute dem ABV treu geblieben sind und sich tatkräftig einbringen.

In dem Gebet, das Anna-Lena vorhin vorgetragen hat (siehe links), haben wir gehört „Sie sind nun ein Teil von uns, wenn wir uns an sie erinnern". Ohne sie wären wir nicht die, die wir sind. So bedeutet „der Toten gedenken" auch „zu sich selbst kommen, sich selbst finden und in sein Inneres horchen" - denn man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
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