Lesestunde im Kerzenschein

Jedes Jahr vor Weihnachten freut sich die Leiterin der Essinger Gemeindebücherei, Carola Frech, auf den Vorlesenachmittag mit Kindern. Sie schafft Platz auf dem Boden der kleinen Bücherei und verdunkelt die Fenster, damit die Lichter und Kerzen mit denen sie die Wände und Bücherregale schmückt, ihr warmes Licht ungehindert in die heimelige Stube ergießen können.

Auf der einen Seite steht eine gemütliche Couch, auf der anderen sind kuschelige Decken über den Boden gebreitet. In der Mitte steht ein mit einer Weihnachtsdecke geschmückter Tisch, mit Büchern und einer Kerze bedeckt. 25 Kinder sind gekommen, um Carolas Geschichten zu lauschen. Meistens die Kleinen zieht es zu den flauschigen Decken auf den Boden, während die Größeren auf der Couch sitzen oder daran gelehnt zuhören.

Vier Geschichten wird Carola Frech lesen. Geschichten, wo man dann das eine oder andere Kind sagen hört „Ach, das kenne ich ja schon“; dennoch hören alle gebannt zu.

Nach zwei Dritteln der Zeit macht sich dann eine leise, fast stille Unruhe breit. Kinder können eben nicht immer ruhig sitzen und so kommt es, dass einer anfängt heimlich in der Ecke die dort vorhandenen Bücher durchzublättern. Das Gesicht beschreibt deutlich das Erfolgserlebnis, nicht erwischt worden zu sein. Die Jungs fangen an die Mädchen ein wenig zu knuffen, nicht fest, leicht nur. Diese wiederum strafen die Buben durch Nichtbeachtung, schielen aber dennoch, ob diese „Missachtung“ denn wenigstens bemerkt worden ist.

Die größeren auf der Couch gegenüber schütteln unmerklich den Kopf ob des „ungebührlichen Benehmens“ der Kleinen auf den Decken und benutzen doch gute Gelegenheiten, um ein eigenes Schwätzchen zu halten.

Trotzdem sind sie alle bei der Geschichte und als Carola Frech eine beendet hat und das Zeichen gibt, dass die mitgebrachten Knuspereien genascht werden dürfen, hört man etliche Bemerkungen und Fragen, die zeigen, dass die Geschichte irgendwie „hängen geblieben“ ist.

Schade, dass man nach anderthalb Stunden aus dieser Märchen- und Kerzenwelt wieder auftauchen muss und das kalte Nass einen wieder umfängt. Aber, was wäre die Weichnachtszeit ohne diese Stunden der Wärme, glitzernder Kinderaugen und der Freude eine Geschichte miteinander zu teilen?

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