Startseite Predigten kirchl. Vereine Termine
Predigtmeditation
zum 17.02.2008 von Pfr. Richard Hackländer

Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme. Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in dem verheißenen Lande wie in einem fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung. Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist. (Hebräerbrief 11,8-10)

Heimat - für viele ist dieser Begriff ganz unterschiedlich besetzt. Manche leben bereits ihr ganzes Leben hier in unserer Gemeinde. Sie sind hier an der Stätte ihrer Kindheit glücklich, hier wohnen Freunde und Familie, und ein Wegzug kommt nicht in Frage. Aber es leben auch Zugezogene unter uns. Einige wurden im 2. Weltkrieg aus ihrer Heimat vertrieben, andere sind der Arbeit oder der Liebe gefolgt und hier in Essingen gelandet. Es braucht Zeit und liebe Menschen, um auswärts eine neue Heimat zu finden.

Bei Abraham war Gottes Stimme der Grund für seinen Wegzug aus Ur in Chaldäa. Der 75jährige, kinderlose Abraham zieht mit seiner Frau Sarah, seinem Neffen Lot und seinen Knechten und Mägden los, nur weil Abraham Gott vertraut (1. Mose 12,1-3). Der Glaube, so definiert der Hebräerbrief, ist eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ (Hebräerbrief 11,1)

Ob unser Glaube für solch einen Schritt groß genug wäre? Wir sind Christinnen und Christen der einen Kirche Jesu Christi. Und Kirche heißt in den beiden großen antiken Sprachen ekklesia, übersetzt „Herausgerufene“. Wir sind Herausgerufene, vielleicht nicht aus unserer Heimat, aber aus unseren Sicherheiten, aus dem Gewohnten.

Ich merke das konkret in unserer Gemeinde:

Einige junge Leute engagieren sich bei uns in der Jugendarbeit. Sie übernehmen Verantwortung und sind dabei bereit, sich und ihre Werte hinterfragen zu lassen.

Andere engagieren sich im diakonischen Bereich und merken auf einmal, wie sich Kranke oder Trauernde öffnen und aus ihrem Leben Dinge erzählen, die die eigenen Kinder nicht erfahren. Überrascht spüren sie, wie unser HERR sie in den Dienst nimmt.

Ein Dritter wird mittags beim Tischgebet durch das Schellen an der Haustür gestört. Ein Durchwanderer steht vor der Tür und bittet um eine milde Gabe. Und der eben noch im Gebet gestörte Mann fasst sich angesichts seiner Worte ein Herz und bittet den Fremden zu Tisch. Was ihr für einen meiner geringsten Brüder oder für eine meiner geringsten Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan, spricht Christus (Mt 25,40).

Wer nach Gottes Willen lebt und Christus nachfolgt, der lässt sich auf ein Abenteuer ein, der wird herausgerufen aus dem Vertrauten und Bequemen. Er vertraut sich Gott an und kann für sich Heimat noch mal neu begreifen. Denn wenn Heimat ein subjektiver Wert ist, der uns klar macht, wohin wir eigentlich gehören, dann kann Gott uns eine Heimat bieten, die uns hier in die Gemeinde mit hinein nimmt, um die Welt ein wenig besser zu machen. Und wenn wir schließlich aus diesem Leben scheiden, dann erwartet uns bei Gott eine Heimat, die Sicherheit und Freiheit schenkt wie eine gut befestigte und ausgebaute Stadt; eine Stadt, in der Gott wie ein alter Freund, ja: als himmlischer Vater uns herzlich willkommen heißt.

Amen.

Startseite Predigten kirchl. Vereine Termine